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Winston Churchill


Ansprache an der Universitaet Zuerich am 19. September 1946



II.13 Die Zuercher Rede von Winston Churchill, 1946



Diese Rede zeigt deutlich und plakativ sowohl den damals bestehenden Willen und die Hoffnungen, die Aengste und Wuensche, die grundsaetzlichen politischen Einstellungen und Differenzen als auch den Weg auf dem ein gemeinsames Europa, ohne Grossbritannien, verwirklicht werden sollten. Insbesondere die Feststellung Churchills, dass ein zukuenftiger Friede nur ueber eine Verstaendigung zwischen Deutschland und Frankreich zu erreichen sei, ist fuer das Jahr 1946 eine weitsichtige aber damals auch gewagte Aussage (vgl. hierzu auch Rainer Eisfeld in "Mitteleuropa - Paneuropa", S48). Wilhelm Cornides hat in "Europa-Archiv" vom 5.9.1951 zu dieser Rede von Churchill bemerkt, dass dieser "akademische Vortrag ein Meisterwerk politischer Beredsamkeit - und Schweigsamkeit" sei.

Parallel zu dieser Rede fand gleichzeitig, jedoch unabhaengig davon, ein Kongress der Union der Europaeischen Foederalisten (UEF) in Hertenstein (Schweiz) statt (vgl. Pkt. II.14). Die Rede von Churchill wurde von vielen Pro-Europa-Gruppen nicht sehr positiv aufgenommen.

Entnommen wurde der erste Text aus "Europaeischer Integration 1946 - 1961" herausgegeben von Heinrich von Siegler im Archiv der Gegenwart, Rz 1.
Der Seitenumbruch, Zeilenformatierung und Spaltenaufbau wurden in beiden Faellen dabei veraendert. Eindeutige Druck- oder Rechtschreibfehler, erkennbare Uebersetzungsfehler und Auslassungen sind korrigiert. Eine Anpassung an die heutigen Rechtschreibregeln wurde jedoch nicht vorgenommen.



Die Rede von Winston Spencer Churchill vom 19.9.1946 in Zuerich (nach der Vorlage von Heinrich Siegler im Europa Archiv):

»In ausgedehnten Gebieten Europas starrt eine Menge gequaelter, hungriger, sorgenerfuellter und verwirrter Menschen die Ruinen ihrer Staedte und Heime an und sucht den dunklen Horizont nach den Zeichen irgend einer neuen kommenden Gefahr, einer Tyrannei oder eines neuerlichen Terrors ab. Unter den Siegern herrscht eine babylonische Verwirrung misstoenender Stimmen, unter den Besiegten aber das trotzige Schweigen der Verzweiflung. Wenn die grosse Republik jenseits des Atlantischen Ozeans nicht endlich erkannt haette, dass der Zusammenbruch oder die Versklavung Europas auch ihr eigenes Geschick mit sich in den Abgrund reissen wuerde, und nicht eine helfende und fuehrende Hand Europa entgegen gestreckt haette, so wuerden die dunklen Zeiten mit all ihrer Grausamkeit wiedergekehrt sein. Und sie koennte noch immer wiederkehren. Trotzdem gibt es ein Heilmittel, das allgemein und spontan angewendet, die ganze Szene wie durch ein Wunder verwandeln und innerhalb weniger Jahre ganz Europa, oder doch dessen groessten Teil, so frei und gluecklich machen koennte, wie es heute die Schweiz ist. Dieses Mittel besteht in der Erneuerung der europaeischen Voelkerfamilie oder doch einer so grossen Zahl ihrer Mitglieder, als es im Rahmen des Moeglichen liegt, und ihrem Neuaufbau unter einer Ordnung, unter der sie Freiheit, Sicherheit und Frieden leben kann. Wir muessen eine Art Vereinigte Staaten von Europa errichten.

Ich war gluecklich zu erfahren, dass mein Freund, Praesident Truman, sein Interesse und seine Sympathie fuer den Plan der Vereinigten Staaten von Europa ausgedrueckt hat. Eine regionale Organisation Europas wuerde keineswegs der Weltorganisation der Vereinten Nationen widersprechen; vielmehr kann diese weitere Synthese nur dann von Bestand sein, wenn sie auf zusammenhaengenden natuerlichen Staatengruppen fusst.

Wir alle muessen dem Schrecken der Vergangenheit den Ruecken kehren und uns der Zukunft zuwenden. Wir koennen es uns einfach nicht leisten, durch all die kommenden Jahre den Hass und die Rache mit uns fortzuschleppen, die den Ungerechtigkeiten der Vergangenheit entsprossen sind. Sollte das die einzige Lehre der Geschichte sein, die die Menschheit zu erlernen unfaehig ist? Lasst Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Freiheit walten! Ich will jetzt etwas sagen, was Sie vielleicht in Erstaunen setzen wird: Der erste Schritt bei der Neubildung der europaeischen Familie muss ein Zusammengehen zwischen Frankreich und Deutschland sein. Nur so kann Frankreich die Fuehrung in Europa wiedererlangen. Es gibt kein Wiedererstehen Europas ohne ein geistig grosses Frankreich und ein geistig grosses Deutschland. Die Struktur der Vereinigten Staaten von Europa wird, wenn sie richtig und dauerhaft errichtet werden soll, so geartet sein muessen, dass die materielle Staerke einzelner Staaten an Bedeutung einbuesst. Kleine Nationen werden so viel wie grosse gelten und sich durch ihren Beitrag fuer die gemeinsame Sache Ruhm erringen koennen.

Ich muss aber hier eine Warnung aussprechen. Es ist moeglich, dass unsere Zeit zu kurz bemessen ist. Gegenwaertig geniessen wir eine Atempause. Der Kampf ist eingestellt, aber die Gefahren sind noch nicht vorueber. Wenn wir die Vereinigten Staaten von Europa bilden wollen, so muessen wir es jetzt tun. In unseren Tagen sind wir auf eine seltsame und irgendwie unsichere Art unter den Schutz der Atombombe gestellt. Noch ist diese im alleinigen Besitz eines Staates, von dem wir wissen, dass er sie nie, es sei denn um des Rechtes und der Freiheit willen, gebrauchen wird. Es koennte aber sehr wohl sein, dass dieses furchtbare Werkzeug der Zerstoerung schon binnen weniger Jahre weit verbreitet sein wird. Und die Katastrophe, die hervorgerufen wuerde, wenn es von verschiedenen miteinander im Widerstreit stehenden Nationen gebraucht wuerde, haette nicht nur die Vernichtung all dessen zur Folge, was wir Zivilisation nennen, sondern auch des Erdballs selbst. Daher muss es unser staendiges Ziel sein, die Organisation der Vereinten Nationen zu staerken. Innerhalb dieser weltumspannenden Konzeption aber muessen wir die europaeische Familie in einem regionalen System, den Vereinigten Staaten von Europa, wiederherstellen. Der erste Schritt hierzu waere es, einen Europaeischen Rat ins Leben zu rufen. Wenn alle Staaten Europas dieser Union fuers erste nicht beitreten wollen oder koennen, so muessen wir doch alle jene sammeln, die willens und imstande sind, es zu tun. Die Rettung des einfachen Mannes aller Rassen und Laender vor Krieg und Sklaverei muss auf festen Grundlagen ruhen: Auf der Bereitschaft aller Maenner oder Frauen, lieber zu sterben, als sich der Tyrannei zu unterwerfen. Bei diesem so dringend notwendigen Werk muessen Frankreich und Deutschland zusammen die Fuehrung uebernehmen. Grossbritannien, das Britische Commonwealth, das maechtige Amerika und, wie ich hoffe, auch die Sowjetunion - denn in diesem Falle wuerde tatsaechlich alles gut sein - muessen dem neuen Europa als wohlwollende Freunde gegenueberstehen und ihm zu seinem Lebensrecht verhelfen. So moege denn Europa erstehen!«



(entnommen aus: Anton Schaefer,Verfassungsentwuerfe zur Gruendung einer Europaeischen Union, 1923 - 2004, CD-ROM, Edition Europa Verlag, S 64 f).
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Aktualisiert: 31.03.2015
Seite erstellt: 01.08.2006
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